Aus:
Bild der Wissenschaft - 02.03.2006 - Psychologie Was
einen Freistoß unhaltbar macht
Fußball-Studie:
Bälle mit Drall über- fordern die menschliche Wahrnehmung Menschen
können die Flugbahn eines Balls mit Drall nicht richtig einschätzen.
Das haben Psycho- logen aus Frankreich und Irland herausgefunden, als sie
Fußball- profis virtuelle Freistöße am Com- puter zeigten.
Hatte der Ball einen Seitwärtsdrall, so konnten die Ballkünstler
nicht mehr zuverlässig vorhersagen, ob das Leder im Tor landen oder
den Kasten verfehlen würde. Angeschnittene
Fuß- oder Tennis- bälle fliegen nicht schnurstracks geradeaus,
sondern werden seitlich von ihrer Flugbahn abgelenkt. Da- hinter steckt
ein physikalisches Phänomen namens Magnus-Effekt: Wenn eine Kugel
sich um die eigene Achse dreht und dabei von Luft um- strömt wird,
so wirkt auf sie eine seitwärts gerichtete Kraft. Cathy
Craig von der Queen´s Uni- versität in Belfast und ihre Kollegen
untersuchten nun, wie Menschen eine solche gekrümmte Flugroute wahrnehmen.
Dazu zeigten die Wissenschaftler einigen erfahrenen Fußballern Computersimulationen
von Freistößen mit und ohne Seitwärts- drall. Dabei mussten
die Kicker ihre Augen auf die Mitte des virtuellen Tors fixieren und jeweils
vorhersa- gen, ob der Freistoß ein Treffer sein würde. Bei Schüssen
mit Spin scheiterten selbst professionelle Spieler an der korrekten Torprog- nose,
während sie sich bei gerade- aus fliegendem Leder wesentlich leichter
taten. Die
menschliche Wahrnehmung sei nicht dafür ausgelegt, die Bewegung eines
schnell rotierenden Balls richtig zu erkennen, erklären die Forscher
dieses Ergebnis. Objekte wie fliegen- de Bälle kämen in der Natur
nicht vor, und daher hätte der Mensch im Laufe der Evolution auch
keine visuelle Wahrnehmung dafür entwickeln können. Im Gegensatz
dazu könnten Menschen sehr wohl den Einfluss der Schwerkraft auf Bewegungen
ein- schätzen, was evolutionär wichtig gewesen sei. Diese
Erkenntnisse verdankt die Fuß- ballwelt übrigens dem Starkicker
Roberto Carlos, denn er verwandelte 1997 für die brasilianische National- elf
in einem Spiel gegen Frankreich einen Ball mit Drall in ein spektaku- läres
Tor und inspirierte Craig damit zu ihrer Studie. Quelle:
New Scientist, 4. März, S. 19
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Aus:
Bild der Wissenschaft - 27.01.2006 - Physik Der
Winkel-Instinkt von Ballack und Co. Erfahrende
Fußballer nutzen intuitiv den idealen Einwurfwinkel von 30 Grad Der
ideale Winkel für besonders weite Einwürfe beim Fußball liegt
bei 30 bis 35 Grad. In diesem Winkelbereich kann der menschliche Körper das
runde Leder am kraftvollsten fortschleudern - auch wenn der optimale Wurfwinkel
in der klassischen Mechanik bei 45 Grad liegt. Das haben britische Sportwissenschaftler
um Nicholas Linthorne von der Brunel-Universität in Uxbridge herausgefunden.
Gemäß
der klassischen Mechanik erreichen Bälle, Diskusscheiben oder Gewehrkugeln
eine maximale Weite, wenn sie in einem Winkel von 45 Grad abgefeuert werden. Dass
der ideale Winkel für weite Ballwürfe indes bei 30 bis 35 Grad liegt,
steht zwar auf keinem Übungsplan. Dennoch machen die Fußballer es bei
ihren Einwürfen von der Seitenlinie intuitiv richtig, wie die Forscher in
ihrer Auswertung zeigen konnten. Sie zeichneten dazu Einwürfe mit verschiedenen
Winkeln auf Video auf und bestimmten Abwurfgeschwindigkeiten, Wurfweiten und Flugzeiten.
Der menschliche Körper könne bei flacheren Winkeln die Bälle mit
deutlich höherer Wucht werfen, erklären die Forscher das Ergebnis. Bei
geübten Spielern war der Abwurfwinkel über viele Würfe sogar recht
konstant. Im Training haben diese Fußballer längst ihren Idealwurf
gefunden, kommentieren die Forscher. Neben dem weiten Wurf in den gegnerischen
Strafraum spielt aber auch der überraschend schnelle Einwurf eine taktische
Rolle . Die Forscher fanden heraus, dass bei nur geringfügig kleineren Abwurfwinkeln
die erreichte Weite zwar weitestgehend gleich bleibt, der Ball aber deutlich mehr
Geschwindigkeit bekommt. Onlinedienst
des Fachmagazins Nature, doi:10.1038/news060123-7 ddp/wissenschaft.de
- Martin Schäfe |
Aus:
Bild der Wissenschaft - 13.04.2007 - Hirnforschung Wie
das Gehirn das Beste noch besser macht Bei
der Aussicht auf eine hohe Belohnung
werden mehr Muskelkräfte freigesetzt.Wer eine höhere Belohnung vor Augen
hat, mobilisiert dafür unbemerkt mehr Kräfte als für einen kleineren
Anreiz. Das gilt selbst dann, wenn die Belohnung gar nicht bewusst wahrgenommen
wird, zeigt eine Studie britischer und französischer Forscher. Verantwortlich
für diesen Effekt ist eine Kooperation verschiedener Hirnregionen: Ein Areal
namens Pallidum registriert die Größe des Anreizes und aktiviert daraufhin
das Bewegungszentrum, das die unterschiedlich starken Signale schließlich
in mehr oder weniger kraftvolle Muskelkontraktionen über- setzt. Für
ihre Studie legten Mathias Pessig-lione und sein Team ihre Probanden in einen
Magnetresonanztomographen und zeigten ihnen für 17, 50 oder 100 tausendstel
Sekunden entweder das Bild eines Pennystücks oder das einer sehr viel
wertvolleren Pfundmünze. Während des Tests sollten die Teilnehmer so
fest wie möglich einen Handgriff drücken, wobei ihnen gesagt wurde,
dass sie am Ende umso mehr Geld erhalten würden, je stärker der
Druck war. Gleichzeitig zeichneten die Wissenschaftler die Leitfähigkeit
der Haut, die Auskunft über den Erregungszustand eines Menschen gibt, und
die Gehirnaktivität der Probanden auf.--> | Obwohl
die Teilnehmer in den meisten Fäl- len nicht sagen konnten, welches Geldstück
sie gesehen hatten, drückten sie beim Anblick der Pfundmünze sehr
viel fester auf den Handgriff als bei dem Penny. Auch ihre Hautleitfähigkeit
veränderte sich stärker, genauso wie die Aktivität einer Reihe
von Hirnregionen. Dieses Netzwerk von Gehirnarealen war bereits in früheren
Studien mit Motivationen in Verbindung gebracht worden und gilt sozusagen
als ausführende Maschinerie des für Gefühle zuständigen Limbischen
Systems, erklären die Forscher. Für
besonders entscheidend halten sie dabei eine kleine Region tief im Inneren
des Gehirns: Sie steuert das Bewegungszentrum an und vermittelt dem so genannten
supplementär-motorischen Areal, wie groß die wahrgenommene Belohnung
ist. Diese Information wird dann an den primären Motorcortex weitergeleitet,
der sie direkt in Muskelbewegungen umsetzt. Demnach steigert beispielsweise
eine hohe Dotierung bei einem Sportwettkampf die Leistung der Athleten gleich
zweifach einmal, weil sie sich als Ergebnis einer vernunftgesteuerten Kosten-Nutzen-Rechnung
bewusst mehr anstrengen, und einmal, weil das Gehirn unbewusst die Muskelleistung
erhöht. Mathias
Pessiglione (University College, London) et al.: Science, Online-Vorabveröffentlichung,
DOI: 10.1126/science.1140459
Quelle:
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/ news/277002.html . |